Gute Kommunikation beginnt mit innerer Haltung

Kennst du das Gefühl, du sagst etwas und es kommt ganz anders beim Gegenüber an, als du es gemeint hast? Und dann streitet ihr und du fragst dich, wie es dazu kommen konnte?

Zitat und Kommunikationstrainerin Sandra Richter

Unsere Kommunikation beginnt nicht beim Sprechen. Sie beginnt viel früher – in unseren Gedanken. In dem, was wir über uns selbst, über andere und über Situationen glauben. Diese inneren Überzeugungen und Glaubenssätze formen, wie wir zuhören, wie wir reagieren und wie wir uns ausdrücken.

Wenn du zum Beispiel (unbewusst) glaubst: „Ich werde sowieso nicht ernst genommen“, dann wirst du in Gesprächen möglicherweise schneller defensiv oder ziehst dich zurück. Oder du überkompensierst mit Dominanz. Beides erschwert echte Verbindung.

Führt dein innerer Autopilot das Gespräch oder du?

Die Neurowissenschaft zeigt: Wir interpretieren Situationen zu einem Großteil unbewusst – basierend auf Erfahrungen, Mustern und Emotionen (vgl. Kahneman, Schnelles Denken, langsames Denken). Das heißt: Zwei Menschen hören denselben Satz – und verstehen etwas völlig anderes. Nicht, weil der Satz so vieldeutig ist, sondern weil sie ihn durch unterschiedliche „innere Filter“ hören.

Aber was können wir tun, um unsere innere Haltung zu verändern und den inneren Filter zu reinigen von Mustern, die uns nicht (mehr) nützen?

Werde neugierig auf dich selbst: Wann fühlst du dich angegriffen? Welche Aussagen und Situationen rufen bei dir ein Gefühl der Kränkung, Traurigkeit oder Wut hervor? In welchen Situationen wirst du besonders leise oder laut? Diese Reaktionen zeigen dir oft, wo ein alter Glaubenssatz im Spiel ist. Nutze dafür gern ein Tagebuch, um der Sache auf die Spur zu kommen. Notiere nach Gesprächen, was du gedacht und gefühlt hast und was du gebraucht hättest.

Wir alle schleppen Glaubenssätze mit uns herum, die uns nicht mehr dienlich sind. Oftmals merken wir es nicht. Aber diese Denkmuster sind es, die uns das Leben schwer machen können. Deshalb schau einmal in dich hinein, was du an Glaubenssätzen oder inneren Antreibern im Gepäck hast.

Häufige innere Antreiber sind beispielsweise:

„Ich darf keine Schwäche zeigen.“
„Ich muss es allen recht machen.“
„Ich darf niemanden enttäuschen.“
“Ich bin doch eh nicht gut genug.”

Wenn du deine Glaubenssätze identifiziert hast (übrigens sind das oft Sätze, die du von deinen Eltern oder Großeltern in der Kindheit gehört hast), dann beantworte diese zwei Fragen, die Byron Katie in ihrem Buch “The Work” mitgibt.

Ist das wirklich wahr?
Wer wärst du ohne diesen Gedanken?

Nutze gern dein Tagebuch, um alles aufzuschreiben, was dir durch den Kopf geht. Stelle dir einen Wecker auf 7 Minuten und lass alles, was du denkst, ins Buch fließen.

Wenn du dich mit deinen inneren Mustern auseinandersetzt, verstehst du dich selbst besser. Du kannst nun beginnen, Glaubenssätze zu überschreiben. Vielleicht helfen dir konkrete, für dich passende positive Affirmationen. Vielleicht schaffst du es auch ohne Affirmationen, dir immer wieder bewusst zu machen, wenn Glaubenssätze dich daran hindern, eine Situation neutral zu betrachten und bewusst STOPP zu sagen.

Je klarer du dir selbst gegenüber bist, desto klarer wirst du für andere. Und vor allem: Du nimmst nicht mehr alles persönlich und kannst deshalb ruhig bleiben, wo du früher ausgeflippt wärst.

Ich habe früher meine Energie zu oft in grässlichen Streitereien und Diskussionen verbraucht. Weil ich viel persönlich genommen habe. Weil bestimmte Sätze mich getriggert haben. Ich habe wirklich geglaubt, mein Gegenüber will mich absichtlich verletzen. Und ich bin in den Kampfmodus gegangen.

Seitdem ich mir meiner Gedanken und Gefühle bewusster bin, weil ich auch dank meiner eigenen Coaching-Ausbildung und Weiterbildung in Kommunikationspsychologie viel über mich selbst und Kommunikation nachgedacht habe, habe ich keinen einzigen Streit mehr erlebt, der so eskaliert ist, wie es früher für mich fast schon normal war.

Ich gehe inzwischen davon aus, dass mein Gegenüber mich nicht absichtlich verletzen möchte. Das ist meine Grundüberzeugung geworden und deshalb muss ich auch nicht mehr schreien, sondern ich kann Fragen stellen, zuhören und herausfinden, worum es meinem Gegenüber wirklich geht. Und das ist dann gute Kommunikation, einfühlsame Kommunikation, gewaltfreie Kommunikation.

Was sind deine Erfahrungen mit Glaubenssätzen und Kommunikation? Schreibe mir gern in den Kommentaren, was der Artikel in dir ausgelöst hat.


Ich bin Sandra. Als Kommunikationstrainerin und Rhetorikcoach unterstütze ich Teams aus Verwaltungen und Bildungseinrichtungen, offen und ehrlich miteinander zu kommunizieren und so besser und freudvoller zusammenzuarbeiten. So klappt das mit der Mitarbeiterbindung und den Ergebnissen.

In deinem Team wird entweder geschwiegen oder immer nur hinterm Rücken gemeckert, aber nichts geht voran? Lass uns das gemeinsam ändern, denn so wie es jetzt ist, nervt es alle Beteiligten.


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