Was die Transaktionsanalyse zu guter Kommunikation aussagt

Um das Konstrukt der Transaktionsanalyse einmal ein bisschen anschaulicher für dich zu machen, erzähle ich dir eine Geschichte. Eine fast genau so erlebte Kommunikationssituation.

Transaktionsanalyse: Was haben die drei Ich-Zustände mit guter Kommunikation zu tun? Und ein Bild der Kommunikationstrainerin Sandra Richter

Stell dir folgendes Szenario vor:
Person 1, nennen wir sie Paula, läuft an einem Büro mit halb geöffneter Tür vorbei und als sie den Kollegen, nennen wir ihn Tom, da so sitzen sieht, fällt ihr ein, dass sie ihn etwas fragen möchte.

Sie betritt also das Büro mit den Worten: „Du, Tom, ich hab mal eine Frage.“

Tom dreht sich zu ihr um, schaut sie lächelnd an und sagt zu ihr: Können wir beim nächsten Mal vielleicht klopfen und fragen, ob wir stören dürfen?

Paula reagiert irritiert mit: „Aber dann schließ doch die Tür.“

Tom sagt in nach wie vor ruhigem Ton. „Lass mich ausreden. Du kommst hier einfach so in mein Büro gestürmt mit deiner aufgekratzten Art. Wäre es nicht schöner, zu klopfen und zu fragen, ob ich kurz Zeit habe. Können wir das beim nächsten Mal so machen?

Paula: Boah, das ist mir jetzt zu blöd. Und geht.

Bist du jetzt Team Tom?
Er hat konzentriert arbeiten wollen. Paula hat ihn gestört und er hat ihr doch nur gesagt, wie er es gern hätte.

Oder bist du Team Paula?
Sie hatte keine böse Absicht. Die offene Tür bedeutete für sie, dass Tom ansprechbar ist, weil sie das immer so handhabt, wenn sie Fokuszeit braucht. Dass er sie jetzt so herablassend behandelt, gefällt ihr natürlich nicht.

Dieses kleine Gefühlschaos passiert so oder ähnlich immer wieder. Doch gehen wir einmal tiefer hinein.

Wie fühlt sich Tom:
Wahrscheinlich genervt, weil er sich auf seine Arbeit konzentrieren wollte und möglicherweise ärgert er sich auch über sich selbst, weil er die Tür nicht geschlossen hat. Und vielleicht schwingt auch irgendwo ein kleines bisschen Neid mit, weil Paula gerade so fröhlich ist, während er diese doofe Aufgabe machen muss, die vielleicht auch noch zeitkritisch ist.

Wie fühlt sich Paula:
Wahrscheinlich wie vor den Kopf geschlagen, weil sie doch nur eine kurze Frage stellen wollte und sich nun wie ein Störenfried vorkommt. Mit ihrer sehr energiegeladenen Art ist sie wieder einmal angeeckt und fühlt sich dementsprechend unverstanden und vielleicht sogar traurig.

Schauen wir einmal mit den Augen der Transaktionsanalyse auf die Situation:

Habt ihr es gespürt?

Tom schlüpft ins Eltern-Ich. Im Eltern-Ich belehrst und maßregelst du dein Gegenüber.

Paula schlüpft sofort ins Kindheits-Ich, rechtfertigt sich erst und reagiert dann trotzig.

Was in der Situation für beide vielleicht eine erwachsenerer Umgang gewesen wäre 
(Ja, es gibt zum Glück auch ein Erwachsenen-Ich):

Tom belehrt nicht, sondern beschreibt seine Situation wertfrei.
„Ich bin hier gerade mit einer aufwändigen Aufgabe beschäftigt.“

Er beschreibt sein Gefühl.
„Ich fühle mich gestresst, weil ich die Aufgabe korrekt machen möchte.

Tom beschreibt sein Bedürfnis.
„Dafür brauche ich Konzentration und Ruhe.“

Und formuliert zum Abschluss eine Bitte.
„Wäre es okay für dich, wenn du beim nächsten Mal erst einmal kurz leise reinschaust, um zu sehen, ob ich gerade konzentriert auf den Monitor schaue?

Paula hört Tom zu und kann ja sogar verstehen, dass er sich konzentrieren möchte, weil es sie doch auch nervt, wenn jemand sie stört. Sie fühlt sich aber nicht persönlich angegriffen und auch nicht gemaßregelt. Denn Tom ist bei sich geblieben und hat am Ende eine positive und machbare Bitte geäußert. 

Hast du es gemerkt? Das waren die vier Schritte der gewaltfreien Kommunikation. Hab ich doch gut hier gleich mit untergebracht, nicht wahr?

Das Ende vom Lied:
Am besten schließt Tom ab sofort die Tür und hängt ein Schild draußen dran „Bitte nicht stören.“

Und beide achten bewusster darauf, weder Kind noch Eltern zu sein, sondern einfach aufmerksamer und freundliche Erwachsene.

Welche Situationen dieser Art hast du schon erlebt? Schreib es mir gern in den Kommentaren.

Ich bin Sandra. Als Kommunikationstrainerin und Rhetorikcoach unterstütze ich Teams aus Verwaltungen und Bildungseinrichtungen, offen und ehrlich miteinander zu kommunizieren und so besser und freudvoller zusammenzuarbeiten. So klappt das mit der Mitarbeiterbindung und den Ergebnissen.

In deinem Team wird entweder geschwiegen oder immer nur hinterm Rücken gemeckert, aber nichts geht voran? Lass uns das gemeinsam ändern, denn so wie es jetzt ist, nervt es alle Beteiligten.

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